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F1 Photographie

Cahier, Schlegelmilch — und wie ihre Bilder auf die F1 Web-Site kamen

In den 70iger und frühen 80iger Jahren waren Formel 1 Rennen medial nicht so präsent wie heute zutage. Photos in der MSA und in GPI gaben zu den Namen die Gesichter, zu den Autos die Formen, und zu Orten die Topologie. Es waren Photos die die Vorstellungen und Erinnerung von Ereignissen und Menschen formten.

Rainer W. Schlegelmilch und Bernard Cahier

In den 70er und frühen 80er Jahren waren die Formel 1 medial nicht so präsent wie heutzutage. Es waren Photos, die die Vorstellungen und Erinnerungen von Ereignissen und Menschen nachhaltig formten. Die Photos in der Motorsport Aktuell und im Grand Prix International Magazin gaben mir zu den Fahrernamen Gesichter, zu den Autos Formen, und zu den Rennstrecken Eindrücke von Orten.

Seit den 50er Jahren folgen Photographen dem Rennzirkus um den Globus. Bernard Cahier, David Phipps, Rainer Schlegelmilch, Ferdi Kräling und Mark Sutton sind die bekanntesten Namen. Rainer W. Schlegelmilch und Bernard Cahier stechen für mich hervor. Jeder der beiden hat seinen eigenen Stil, manchmal eine spezielle Technik, sogar seine speziellen Stellen an den Rennstrecken, seine "Signature Shots" — und jeder in seiner Zeit hat(te) auch Fahrer, denen er nahe stand. Bei beiden sind zudem die Söhne den Vätern gefolgt und sind dem Familien-Stil treu geblieben.

Bernard (und auch sein Sohn Pierre-Henri) Cahier haben einen dokumentarischen, journalistischen Zugang zur Formel 1. Ihre Bilder sind künstlerische Zeitzeugnisse eines Momentes und der Menschen — Bernard Cahier wurde zu Recht auch der "Cartier-Bresson" der F1-Photographie genannt.

Fangio Ferrari 1956
Clark 1964 Deutschland
Andretti 1970 USA
Senna 1990 USA

Vier Jahrzehnte F1 — durch das Objektiv von Bernard und Pierre-Henri Cahier

Rainer W. (und auch Boris) Schlegelmilch ist technischer, präziser und gleichzeitig spektakulärer und weniger "chronistisch". Er hat Interesse an der Entwicklung der Technik und an Impressionen. Rainer und Boris Schlegelmilch sind bekannt für "Zoom Shots":

Zoom Shot 1985 Johansson Monaco
Zoom Shot 1996
Zoom Shot 2001
Zoom Shot 2009

Das erste Bild in obiger Reihe zeigt Stefan Johansson in Monaco 1985 beim Anbremsen einer Schikane. Das typische Turbofeuer und die Zoom-Technik ergeben einen dramatischen Eindruck an einer relativ langsamen Stelle des Kurses. Das Photo wurde von Kodak in einer Werbekampagne verwendet. Ich habe das Bild ausgeschnitten und jahrelang in einem kleinen rahmenlosen Bildhalter aufgehängt — bis es verblichen war. Ähnlich "ikonisch" sind die jährlichen Bilder von der Schlegelmilch Corner in Monaco:

Monaco Corner 1984
Monaco Corner 1987
Monaco Corner 1996
Monaco Corner 2009

Die "Schlegelmilch Corner" in Monaco — ein ikonischer Winkel über vier Jahrzehnte

Photobücher

Die analogen "Pre-High-Speed-Internet"-Zeiten waren haptisch — man kaufte Platten, CDs, DVDs und Bücher. Die einzige Form, Photos zu "besitzen", war es, Abzüge in Alben (oder Pappkisten) zu sammeln. Der erste Weg für Photographen, ihre Arbeit zu kapitalisieren, war es, die Bilder an Agenturen, Zeitungen oder Magazine zu verkaufen. Der zweite Weg war es, dicke Photobücher zu verlegen und teuer zu verkaufen. Von denen haben sich im Laufe der Jahre so ca. 20 in den Athanassiou'schen Bücherregalen eingefunden. Und jedes ist mit glühenden Ohren immer und immer wieder durch-"geschaut" worden — von "gelesen" kann man da ja nicht reden.

Online Archive und Photo Prints

Mit der Verbreitung des Internets (und höheren Bandbreiten) stellten Cahier, Schlegelmilch und andere ihre Bilder in geringer Auflösung auf eigenen Web-Sites online. "Gering" heißt — untauglich zum Ausdrucken über 10×15 cm hinaus, aber bildschirmtauglich.

Diese Web-Sites und Archive dienten dazu, die Bücher zu bewerben und an Enthusiasten mit Geld hochauflösende Abzüge (DIN A5, A3, A2, oder noch größer) zu verkaufen — der dritte Weg zur Kapitalisierung (einer kommt noch). Mein Büro bei der Proventa in Frankfurt habe ich mit einigen (ich glaube 8) solchen Abzügen ausgestaltet — das muss so 2008/2009 gewesen sein. In dem Büro gab es auch den Streckenplan von Monte Carlo als Wandtapete. Die Bilder habe ich im Atelier von Rainer W. Schlegelmilch in Frankfurt persönlich abgeholt und dabei ihn und Boris Schlegelmilch kennengelernt. Ein echter Familienbetrieb. Heute würde man sagen, das war Teil der "Customer Experience".

Die Archive von Cahier und Schlegelmilch sind heute (2023) zwar noch online erreichbar, werden aber schon länger nicht mehr gepflegt und aktualisiert. Letztlich ging auch die F1-Photographie den letzten, den vierten Weg der Kapitalisierung. Im August 2017 wurde bekannt, dass Motorsport Network — die weltgrößte Motorsportmedia-Organisation — das Fotoarchiv von Rainer W. Schlegelmilch mit mehr als 600.000 historischen Motorsportbildern erworben hat. Die Kollektion von Schlegelmilch wurde in das umfangreiche Archiv von LAT Images integriert. Das Cahier-Archiv ist ebenfalls dort beheimatet; auch die Bilder von David Phipps und allen anderen finden sich unter motorsportimages.com. Motorsport-Network-Geschäftsführer ist Zak Brown — Chef der McLaren Technology Group und damit auch von McLaren Racing.

Photos auf meiner F1 Web-Site

Wie gesagt, es gab die Photos von Cahier und Schlegelmilch in einer für den Bildschirm halbwegs brauchbaren Auflösung auf deren Web-Sites. Diese Bilder hatte ich schon vor längerer Zeit manuell und einzeln heruntergeladen. Mit der kleinen JAVA-Anwendung, mit der ich die F1-Poster runtergeladen hatte als Basis, habe ich die beiden Archive jetzt aber soweit lokal repliziert wie es Sinn macht. Sinn heißt — zu jedem F1-Wagen, den Sauro Toregianni gezeichnet hat, auch ein paar Bilder aus unterschiedlichen Perspektiven zu haben.

Hier ergeben sich einige Fragestellungen rund um die Kapitalisierung und was an Nutzung der Bilder rechtens ist. Da ich die Bilder nicht kommerziell verwerte, ist die Nutzung rechtens — auch was den "neuen" Rechteinhaber betrifft. Der versucht jedoch mit "Technik" das manuelle Herunterladen der Bilder zu verhindern — nicht wirklich erfolgreich … Und das "Heraufsaugen" der Bilder mit Software? Fühlt sich irgendwie "schwierig" an. Persönlich bin ich der Meinung, dass ich die Bilder schon mehrmals "bezahlt" habe. Beim Kauf der Zeitschriften, beim Kauf der Photobücher und einige sogar bei den Abzügen. Und damit ist es dann auch gut.

Der Rechteinhaber hat investiert und wird seinen Invest mit Rendite wieder reinholen wollen. Er bietet das soweit kostenlose "Embedding" der Bilder an — das heißt eine Verlinkung auf seine Plattform. Allerdings muss man dazu einen Account anlegen und mehrseitige, von Juristen ("hatten wir die am Tage des großen Erwachens nicht als erste an die Wand gestellt?") verfasste, daher etwas undurchsichtige Lizenzvereinbarungen akzeptieren. Der gängige Weg der Online-Kapitalisierung ist es, erstmal eine große Zahl von registrierten Nutzern von "kostenlosen" Diensten zu generieren und dann nach einer gewissen Zeit eine möglichst abonnementbasierte (und durchaus niedrige) monatliche Gebühr zu erheben. Mal schauen, wie sich das entwickelt.

Irgendwie doch beruhigend, dass es Bücher gibt.

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