
Der F1 Virus
1976 war das Jahr, indem die Formel 1 anfing mich zu interessieren — in Folge des Nürburgring Feuer Unfalls von Niki Lauda. Helmut Schmidt war Bundeskanzler, wir lebten in Bremen und da war Hans Koschnik Bürgermeister. Es gab 3 Fernsehprogramme, und ein überschaubares Angebot an Zeitschriften.
Der Unfall von Niki Lauda hatte für damalige Verhältnisse ein ungeheures mediales Echo, in Zeitschriften, im Radio und Fernsehen. Es gab eine hastig produzierte Single "Riki Masorati" von Udo Lindenberg — die habe ich immer noch. In der Stadtbibliothek in Bremen habe ich alle auto motor und sport Ausgaben mit Rennberichten verschlungen. Was genau mich so fasziniert hat, weiss ich nicht. Vielleicht war es das hochgradig irrationale, leidenschaftliche an dem Sport. Auf den kleinen Wissenschaftsoffizier der Sternenflotte, der ich nun mal war, hatte die tödliche Gefahr und das Gladiatorentum der Piloten eine irritierend anziehende Wirkung.


motorsport aktuell und Grand Prix International — Pflichtlektüre
Die Saison 1978 habe ich von Anfang an verfolgt und regelmässig die Wochenzeitung "motorsport aktuell" gekauft. Die Zeitung kam immer Mittwochs heraus — 3 Tage nach dem Rennen gab es alles was man wissen musste und auch vieles was man nicht wissen musste. Helmut Zwickl, Dieter Stappert und Günther Wiesinger waren die bekanntesten Autoren. Ich habe die Zeitung gesammelt und bis Ende der 90iger Jahre regelmässig gelesen.
Eine andere tolle, später nur englischsprachig verfügbar, richtige Zeitschrift war "Grand Prix International" — mittlerweile sind die Ausgaben Sammlerstücke. Stunden habe ich mit dem wiederholten Lesen (eher Studium) der Texte, Skizzen, Photos, Ergebnissen und Statistiken verbracht. Irgendwann habe ich angefangen Formel 1 Autos zu zeichnen, meistens von der Seite.
F1 Autos zeichnen
1986 — Prof. Nickel, Randolf Reich
Im Sommer 1986 hab ich die Vorlesung "Einführung in die Linguistik" bei Prof. Nickel besucht. Eine der schönen Erinnerungen an die Uni Stuttgart. Die Vorlesung gab mir eine Idee, wie universitäres Leben sein kann. Prof. Nickel kam immer mit ein paar Zeitungen der letzten Woche in die Vorlesung, und pickte, mit sichtlicher Lust an der feingliedrigen intellektuellen Zerstörung, sprachliche Irrungen und Wirrungen der Journaille heraus. Eine Reihe vor mir fand ein Kommilitone die dann folgenden Theorieteile nicht ganz so spannend, und zeichnete — er zeichnete ein F1 Auto von der Seite. Am Ende der Vorlesung fragte ich ihn, ob das Auto einen Brabham BT52 darstellen soll. Das war nicht so ganz eindeutig. Das erstaunte Gesicht von Randolf Reich (so hiess der junge Mann) ist eine bleibende Erinnerung. Er dachte er sei allein mit seiner Leidenschaft. Wir haben über 20 Jahre hinweg Kontakt gehalten, und stundenlang F1 Themen durchgekaut. Randolf hat Jahre vor mir angefangen F1 Autos in 1:43 zu sammeln und zu bauen. Der "Krankheitsverlauf" ist bei vielen von uns ähnlich.
Zum Graphiker hat es weder bei Randolf noch bei mir gereicht, zeichnen können andere besser …
Das Internet
Mit der weiten Verbreitung des Internet änderten sich Dinge. Anfang der 2000er Jahre tauchten kleine JPG Dateien mit von der Seite gezeichneten F1 Autos im Netz auf — ich weiss nicht wer die erstellt hat, aber es waren damals schon sehr viele und besser gezeichnet als ich es je können würde.


Frühe F1-Auto-Zeichnungen aus dem Internet
Mit Photoshop habe ich alle Autos der 90iger zusammen montiert, auf 30 x 90 cm in einem Copy Shop ausgedruckt und gerahmt. Der Druck steht heute noch im Keller über den Modell-Vitrinen.

Sauro Torregianni
2022 tauchten dann neue, wesentlich genauere Zeichnungen in deutlich höherer Auflösung auf. Es dauerte etwas bis mir die Herkunft klar wurde. Der italienische Graphiker Sauro Torregianni startete 2012 ein Projekt, in dem er jedes seit 1950 an den Start gebrachte F1 Auto zeichnen will. Sein besonderes Faible gilt den "vergessenen" Fahrern und Autos, den Garagisten, den Gescheiterten, den Träumern und den kleinen "Helden". Anfangs fanden sich Dateien mit allen Autos eines Teams — chronologisch sortiert. Dann gab es auch einzelne Autos, speziell von einzelnen Rennen und Fahrern, in bildschirmtauglicher hoher Auflösung.

Natürlich will er seinen Fundus monetarisieren, in Form von eBooks oder Prints. Um Zugang zu den Bildern zu haben muss man monatlich etwas zahlen — mehr als gerechtfertigt. Wobei sehr viele Bilder auf einzelnen Plattformen (Pinterest) schon kursieren.
Web Seiten mit den Autos
Sei es wie es sei — ich habe alle Bilder von ihm, alle in 1390 x 470 px und 200 x 200 dpi Auflösung, habe sie mit einer Nomenklatur (Jahr, Team, Motor, Fahrer, GP) versehen und einige Programme erstellt, die all diese F1-Wagen nach unterschiedlichen Kriterien (Teams, Saisons, Fahrer) in HTML Seiten darstellt.

Bei Teams, Saisons und Fahrer gibt es ein 3-reihiges "Card Design" — parametrisierbar ist die Gestaltung der Karten (Rahmen, Linien, Farben der Linien und Textausrichtung). Bei mehreren Varianten eines Modelles gibt es kleine "Built-in Slideshows" zum Weiterklicken.




Teams, Saisons und Fahrer — verschiedene Ansichten
Bei den Teams gibt es die diversen Teamlogos und dann auch "fullsize Slideshows" mit allen Fahrzeugen. Da hab ich einiges an CSS Zucker verstreut …


Fullsize Slideshows für Teams
F1 Web Site
Der Appetit kommt mit dem Essen, und so ist Stück für Stück eine vollständige F1-Website entstanden, mit:
- allen Autos (pro Team, Fahrer, Saison)
- allen Rennergebnissen (pro Team, Fahrer, Saison)
- allen WM (Fahrer und Konstrukteure) Wertungen seit 1950/1958
- Weltmeistern (Fahrer und Konstrukteure) seit 1950/1958