
Es gibt Filme, die sieht man nicht— man "erlebt" sie. The Blues Brothers war für mich so ein Film. Die Story ist nicht sehr schlüssig, der Schnitt etwas chaotisch, und John Belushi war wohl nicht immer nüchtern. So ist dieser Film ein Meisterwerk des organisierten Wahnsinns, des perfekten Unperfekten. Jake und Elwood Blues, zwei Männer in schwarzen Anzügen und dunklen Brillen, mit Bluesmusik im Blut auf einer Mission im Auftrag Gottes.
John Belushi und Dan Aykroyd haben Jake und Elwood Blues 1975 in der amerikanischen Late-Night-Show Saturday Night Live erfunden — als Running Gag, als Parodie, als Blues-Band die eigentlich gar keine sein wollte. Der Film von 1980, unter der Regie von John Landis, wurde einer der teuersten Komödien seiner Zeit und hat heute Kultstatus. Nicht wegen der Handlung — die ist wirklich dünn- sondern wegen der Energie. Und wegen der vollkommen ernsten Miene, mit der Jake und Elwood durch eine Welt voller Explosionen spazieren, als wäre nichts dabei.
Der Aschenbecher ist kaputt
Der erste richtige Dialog gibt die Tonlage vor. Er ist trocken und knapp.
Jake kommt aus dem Gefängnis. Elwood holt ihn ab — mit einem ausgemusterten Streifenwagen, der schon sehr viel bessere Tage gesehen hat. Jake besichtigt das Fahrzeug. Elwood erklärt die Vorzüge. Ein klassischer Moment der Informationsasymmetrie.
| ElwoodPolizeimotor, 440 Kubik. Polizeifederung, Polizeireifen, Polizeidämpfer ... | ||
| Jake[drückt das Feuerzeug — nichts] Das Feuerzeug geht nicht. | ElwoodDie Elektronik ist etwas wacklig. | |
| Jake[öffnet den Aschenbecher — er fällt ab] Der Aschenbecher ist kaputt. | ElwoodIch weiß. | |
| JakeWas hast du für diesen Schrotthaufen bezahlt? | ElwoodZweihundert Dollar. Das Mikrofon war separat. | |
'ne Streife
Was die Dialoge bei Blues Brothers kultig macht, ist die radikale Ökonomie der Sprache. Die Dialoge sind kurz. Sehr kurz. Was in anderen Filmen drei Sätze braucht, erledigen Jake und Elwood in einem halben. Ein Beispiel — irgendwo, irgendwann in der Nacht.
| JakeScheiße. | |
| ElwoodWieso? | |
| JakeNe Streife. | |
| ElwoodNein. | |
| JakeDoch. | |
| ElwoodScheiße. |
Die Menge an Zitaten aus dem Film, die ihren Weg in meine Alltagskultur gefunden haben ist endlos ....
"Wie oft fährt der Zug?" - "So oft das Du ihn irgendwann nicht mehr hörst"
"Wir haben hier beides - Country und Western"
"Nein, ohhh nein, nein, nein"
"...Ich will kein Wort hören ..."
"Orange Whip? Orange Whip?"
"...Move it!"...
... die Musik
The Blues Brothers hat einen der besten Soundtracks der Filmgeschichte. Aretha Franklin, Ray Charles, James Brown, Cab Calloway — alle in einem Film, alle live. John Lee Hooker spielt auf der Straße. Die Band besteht aus der ersten Musikerreihe. „Think“ vom Aretha Franklin ist kultig und „ Needs Somebody to Love“ lässt keinen mehr los. Das ist ein Konzert mit Handlung, eine Liebeserklärung an den Blues.