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Der Pontos

Griechische Welt am Schwarzen Meer

Unsere Familie stammt vom Pontos, wir sind Pontus Griechen. Schauen wir doch mal wo das ist und was da war ...

Antike Anfänge

Die griechische Präsenz an der Südküste des Schwarzen Meeres reicht weit zurück. Erste Aktivitäten freier Händler auf der Suche nach Gold und Erzen lassen sich um 1000 v. Chr. nachweisen, lange bevor von festen Siedlungen die Rede sein kann. Mythen wie die Argonautensage um Jason und die Fahrt nach Kolchis oder Homers Schilderungen im Land der Kimmerier zeugen von dieser frühen, noch legendenhaften Verbindung zwischen der griechischen Welt und dem "ungastlichen Meer" – so lautete der ursprüngliche Name Pontos Axeinos, bevor er aus Höflichkeit oder Hoffnung in Pontos Euxeinos, das "gastliche Meer", umgedeutet wurde.

Die eigentliche Kolonisation begann im 8. Jahrhundert v. Chr. Die Stadt Milet, selbst eine ältere Kolonie, gründete mit Sinope die erste griechische Stadt am Schwarzen Meer, von wo aus rasch weitere Gründungen entlang der Küste folgten: Trapezus (Trapezunt, heute Trabzon), Kotyora, Amisos und Herakleia Pontike. Insgesamt gründete Milet über 90 Kolonien in der Region, wobei Trapezunt, Sinope und Herakleia Pontike zu bedeutenden Handelszentren wurden, von denen Getreide, Holz, Honig und Sklaven nach Griechenland exportiert wurden. Diese Städte blieben über Jahrhunderte fest griechisch geprägt – als der Söldnerführer Xenophon im Jahr 400 v. Chr. mit den "Zehntausend" in Trapezunt eintraf, fand er eine Stadt vor, die dieselbe Sprache sprach und dieselben Götter verehrte wie seine Heimat, fast 1.000 Kilometer von Athen entfernt.

Das Königreich Pontos

Nach der Befreiung von persischer Herrschaft durch Alexander den Großen entstand ein eigenständiges pontisches Königreich. 281 v. Chr. wurde das pontische Königreich gegründet, das bis 63 v. Chr. Bestand hatte und sich durch Auseinandersetzungen mit Nachbarn sowie dynastische Verbindungen, etwa mit den Seleukiden, weit über die Region hinaus ausdehnte. Seine größte Ausdehnung erreichte es unter Mithradates VI. Eupator (120–63 v. Chr.), als es sich über die Süd- und Nordküste des Schwarzen Meeres erstreckte.

Er war es auch, der die griechische Sprache zur offiziellen Amtssprache seines Reiches und somit zur offiziellen allgemeinen Verkehrssprache der zahlreichen – und dadurch vielsprachigen – indigenen Völker Kleinasiens was deren Hellenisierung spätestens jetzt nach sich zog. Mithradates VI. wurde zum erbitterten Gegner Roms, bis das Reich schließlich in die römische Provinzordnung eingegliedert wurde. Aus dieser Zeit stammen auch bedeutende geistige Persönlichkeiten der Region wie der Philosoph Herakleides Pontikos, der Kyniker Diogenes von Sinope und später der Geograph Strabon.

Byzanz und das Kaiserreich Trapezunt

Mit der Christianisierung wurde der Pontos Teil der byzantinischen Welt und blieb über viele Jahrhunderte eine seiner Kernregionen. Eine besondere Blüte erlebte die Region nach 1204, als infolge der Eroberung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer des Vierten Kreuzzugs Alexios Komnenos gemeinsam mit seinem Bruder David das Kaiserreich Trapezunt gründete – beide waren der Hauptstadt vor deren Fall entkommen. Das bis dahin recht unbedeutende Trapezunt wurde dadurch zur Hauptstadt eines Staates, der sich dank geschickter Diplomatie und Anlehnung an regionale Mächte wie Georgien oder das Mongolenreich bis zum Ende des Mittelalters seine Unabhängigkeit bewahren konnte. Dieses Kaiserreich Trapezunt war über zwei Jahrhunderte ein eigenständiges Zentrum griechischer Kultur, Kunst und Handel am Schwarzen Meer – ein letztes Aufleuchten byzantinischer Staatlichkeit, lange nachdem Konstantinopel selbst unter fränkische Herrschaft gefallen war.

Osmanische Zeit

Die Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen 1453 und der Fall von Trapezunt acht Jahre später, 1461, bildeten für die pontischen Griechen eine entscheidende Zäsur. Der Pontos wurde Teil des Osmanischen Reiches. Doch anders als man erwarten könnte, verschwand die griechische Bevölkerung nicht – im Gegenteil: Die griechische Bevölkerung des Pontos blieb über die Jahrhunderte, trotz zeitweiliger Christenverfolgungen, konstant und bildete bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts die Mehrheit unter den Minderheiten der Region, zu denen auch Lasen, Armenier, Georgier, Juden und Kurden gehörten. Die Pontosgriechen bewahrten dabei ihre Sprache in einer besonders archaischen Form: noch im 20. Jahrhundert sprachen sie einen Dialekt, der ursprüngliche Elemente des Griechischen bewahrte, die anderswo längst verschwunden waren – ein sprachliches Relikt, das auf die jahrtausendealte, relativ isolierte Kontinuität der Gemeinschaft zurückgeht.

Während der osmanischen Jahrhunderte lebten die Pontosgriechen vor allem als Bauern, Handwerker, Bergleute und Kaufleute in Städten wie Trapezunt, Samsun, Kerasounta (Giresun) oder im Bergland um Argyroupolis (Gümüşhane) und Santa, wo auch zahlreiche griechischsprachige Klöster und Schulen bestanden – ein eigenständiges kulturelles und religiöses Leben innerhalb des Osmanischen Reichs, das bis in die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts fortbestand, bevor die Ereignisse der 1910er und frühen 1920er Jahre - die kleinasiatisch eKatastrophe - eine jahrtausendealte Präsenz beendeten.

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